Dienstag, 31. Juli 2007

Petro Werhun

In meiner Stiftung schreibe ich gerade über Petro Werhun.
Das ist eine sehr spannende und wichtige für die Ukraine und ihre Geschichte, auch für die ukrainische Geschichte in Deutschland Person.

Werhun ist 1890 in Galizien geboren, hat in Prag Theologie und Philosophie studiert, und wurde dann ab 1927 nach Berlin geschickt, um hier für die Seelen der ukrainischen Gemeinde zu sorgen. Später wurde er sogar zum Apostolischen Wisitator der katholischem Ukrainern in Großdeutschland, ist bis 1945 in Berlin geblieben, obwohl er wusste, dass er jede Minute verhaftet werden kann. Und die Sowjeten hatten ihn festgenommen, dann 8 Jahren in Sibirien, und Tod 1957 von den Folgen von nicht gerechtem Lager, Haft und Urteil als "Volksfeind". Werhun wurde 2001 von Papst seliggesprochen, und ich habe vor kurzem eine Gedenktafel an ihn in der Hedwig Kathedrale im Herzen Berlins gefunden.

Dazu muss man sagen, dass die 18 Jahre, die er in Berlin war, hat er in einer Kirche gewirkt, die in der Pappelalle ist, ungefähr 8 Häuser von dem Café, wo ich jetzt den ukrainischen Stammtisch organisiere. Toll. Werde mal in diese Kirche gehen.

Aber was ich bei ihm mochte, außer der Tatsache, dass er eine sehr gutherzige Person war, die versucht hat für alle zu sorgen, für alle gutes Wort oder mehr zu finden, er hatte die Ukrainer nicht geteilt, sondern für die Versöhnung, Vereinigung von Ost und West plädiert. Ja, in Frage der Kirche, aber trotzdem. In seiner Gemeinde waren alle willkommen - Nationalisten, Kommunisten, andere, normale Leute, die er nicht auf "unsere" und "nicht unsere" geteilt hat. Werhun hatte sogar 1944 probiert alle ukrainische Führungskräfte, die in der Emigration lebten zusammen zu bringen - und hat Skoropadsky (Hetman 1918), Bandera, Melnyk - Führer von OUN - in eine Kathedrale zur einen Messe eingeladen. Das Ziel war, dass sie sind vielleicht verständigen, und ihre Kräfte zusammen bringen. Allerdings sind sie alle nach der Messe einzeln aus der Kirche rausgekommen, und haben sich zu nichts beschloßen.

Aber ich bin stolz.
Auf solche Landleute, wie Werhun.
Auf die Ukraine.
Eine Ukrainerin zu sein!

Alles Quatsch, das sage ich Euch!

Dieses Wochenende war ziemlich komisch. Ziemlich Russisch. Und ziemlich Glücklich. Ja, vor allem das Letzte.
Nun muss man sagen, dass die Spannbreite vom "russischen" was Sascha und ich zusammen gemacht haben war auch ziemlich breit - Diplomarbeiten von Studenten der Moskauer Film-Akademie, Russen-Disko, Tarkowskis "Andrej Rublyow" und viel Wodka. Mmm..., nee, Quatsch - nicht viel, SEHR viel Wodka.
Aber.
Eins soll ich unbedingt davon festhalten. Diese Stimmung auf dem Russendisko. Ich ging dahin um zu lästern. Ehrlich.
Nu, wer geht schon zu RUSSISCHEM Disko in Berlin?
Also ich war dort zum ersten mal.
Und der Kaminer (russischer Schriftsteller, der in Berlin lebt und schreibt und der da als DJ war) hat mich einfach "aufgeräumt". Also total mitgenommen, mit der Seele, dem Vernunft und allem. Das erste waren die Zeichentrickfilme, die sie dort während ganzen Disko gezeigt haben. Das war Kerrols "Alisa", dann der Film über "Popugaj, Udaw, Obesjanku i Slonenka", usw. das war toll. Das hatte einfach den Schlüssel zu meiner Seele, und dem Verstand gefunden. Dem Verstand, der über Russen lachen wollte.

Und dann - es gab da keine RUSSEN. Keine Ukrainer. Es gab da einfach UNS, verdammt, das muss man feststellen. Und, mit gemeinsamer Vergangenheit, die zu russischer, ukrainischer und sogar deutscher Musik (Moskau, Moskau, Schmeiß die Gläser an die Wand!) getanzt, gesprungen, gelacht und verrückt waren.

Vor allem das "Moskau" Lied war ein Erkenntnislied, nach dem ich ALLES verstanden habe. Da, wo ich zugesehen habe, wir wir alle - Sascha, ich, alle dort in einem Kreis mit den Armen auf den Schultern der anderen getanzt haben, habe ich plötzlich verstanden, wie blöd der ganze Hass meiner Nationalisten zu den Russen ist. Und das Politik gar nichts mit einfachen normalen Menschen zu tun hat.

Ja, wir sind verschiedene Völker, haben verschiedene Staaten, und es soll auch so sein, und bleiben, aber wir sind in unser tiefem Innerem uns ähnlich, was da alle nicht sagen.

Und - obwohl Werka Serdyutschka für seine "Russia Good Bye" Worte in Eurovision Lied in offizieller Russland verboten wird, - wenn man seine Lieder in Berlin auf einem Russen-Disko anmacht dann tanzen alle genau so verrückt, wie früher.

Ja, ich lebe immer noch zwischen Hass und Liebe zu Russland. Ich will auch auf keinen Fall sagen, dass ich russische Politik oder Präsidenten unterstütze. Aber ich will, zum Beispiel, sehr nach Moskau fahren. Da da meine Bruder leben. Da meine Mutti mir viel faszinierendes von dieser bestimmt sehr schönen Stadt erzählt hat. Und weil Moskau so rasch wächst und interessant ist. Davon entkommst Du nicht - fast jeder von Ukrainern hat Verwandte, Freunde in Russland. Um so blöder die ganzen nationalistischen "Haßsprüche" gegen einfachem russischem Volk.

Donnerstag, 26. Juli 2007

21 Jahre danach

Heute habe ich gelesen, dass Janukowitsch es zugegeben haben muss, dass die Ukrainer in Frage von der Umweltkatastrophe (die vom 16. Juli 2007, als in Lemberg Gebiet die Wagonen mit Phosphor umgekippt wurden) desinformiert worden waren.

guten morgen, das Jahr 1986! ich bin sauer, wie ich schon seit langem nicht mehr war.
sauer also, nicht auf das zugegebene, aber auf die lüge. hier in Berlin, wurde das SOFORT in nachrichten als Umweltkatastrophe bezeichnet, und in der Ukraine haben sie alles verheimlicht, und noch lange mit Parolen wie "ja, ja, aber wir haben schon fast alles gelöst" die Bewohner angelogen.
hallo??? welches Jahr haben wir heute überhaupt?

Geschweige schon, dass unser Minister für Außergewöhnlichen Zustand Nestor Schufrytsch (deren Ernennung ich persönlich als Außergewöhnlichen Zustand bezeichnet hatte) nach der Katastrophe noch ein paar Tage gar nichts gemacht hat, und seine USA(glaube ich)-Besuch nicht unterbrach.

verdammt noch mal.

Berlins Bettler

Er sieht furchtbar aus, und geht von einem zu anderem in Hauptbahnhof. "Hallo, ich komme gerade aus dem Schlafsack in Tiergarten, hätten Sie etwas nichtalkoholisches zu trinken???" Kann ihn ganz gut verstehen, schlafe nämlich auch seit einer Woche im Schlafsack, ist nicht gut, ehrlich. Aber meine Flasche mit Wasser, auf die er mit so einer Hoffnung schaut kann ich ihm nicht geben. Weil er mir irgendwie unsympathisch ist...
Aber nein! Berlins Bettler! Das soll gesagt werden. Bettler, die eine Zeitung herausgeben (wo es aus ihrer Sichtweise, aber nicht unbedingt von ihnen verschiedenes aus der Welt so beschrieben wird), die ganz professionell betteln, dabei noch schönen Tag, obwohl automatisch, aber doch wünschen, und selten unnett sind.
ich gebe ihnen kein Geld. Nu, sorry, ich kann das nicht. Außerdem bin ich selbst "auf dem Trocknenen". Na meli, das klingt besser...
Aber gestern sollte ich einem doch ein wenig Geld geben. Einem hübschen, etwas "tibetischem" Type, der mit wie immer mit einem Hund in einem Übergang saß, und ...ein Buch gelesen hat.
Ich glaube, dass einer, der zum Beispiel Kiew kennt, und dortige Bettler, der würde meine Faszination verstehen. Er saß da, war faul, ja, aber er las. "Die Nebel von Avalon" ist natürlich kein Dostojewski, aber trotzdem. In solche Bettler kann man sich sogar verlieben.

Märchen, in denen wir leben


Auch in Kiew gibt es "soziale" Straßenprojekte. Mehr unter dmitrijermolov.com

Dienstag, 24. Juli 2007

zu viel von...

Tod. Täglich, täglich, fast schon jeden Tag soll ich die Spuren vom Tod (warum ist der Tod in Deutschem eigentlich männlich??? der Tod ist doch eine Frau! Smert, tak) verfolgen.

Und ich bin nicht mal in einer Nähe vom tatsächlichen Tod, im Krieg, oder sonst wo. Obwohl - wer weiß. Der Tod, er ist doch überall...

Meine Begegnungen mit Tod sind aber weniger anschaulich, obwohl nicht weniger schrecktlich. Bei der Stiftung, wo ich jetzt ein Praktikum mache, muss ich ständig mit irgendwelchen Mahnmalen, Tafeln und so weiter zu tun haben, auch nur auf dem Papier, aber - die von einem Blutbad, oder Mord, oder oder oder der Millionen, der Tausenden, der einem, der, der erzählen...und das ist furchtbar. Mein netter Betreuer sagt, er sei dagegen geimpft. Sie alle dort, wahrscheinlich.

Ich will aber mich nicht dagegen impfen lassen! Wie es ganz schön bei Iren Rosdobudko gesagt wurde: Eins der drei Messer, die Du besitzt, soll ganz klein sein, und im Herzen stecken - damit Du nie aufhörst zu fühlen.

Nationalismus II - Olena Teliga

Olena Teliga (http://1000years.uazone.net/o_teliha.htm) war eine ukrainische Schriftstellerin, die sehr jung in Babyj Jar in Kiew erschossen wurde. Eine talentierte Person, Literaturkritiker, Publizistin, die viel für die ukrainische Kultur gemacht hat. Teliga war mit Donzow zusammen, ob lange, das weiß ich nicht. Mit dem Dmytro Donzow, der als "geistiger Vater" für ukrainischen Nationalismus gilt. Und Teliga ist jetzt seit 2007 auf einer 2 hrywnya Münze in der Ukraine zu sehen. Dabei war sie eine Nazionalistin.

Ich frage mich, was die Ostukraine dazu sagt. Die Ostukraine, die immer noch mit einer anderen Geschichteauffassung lebt. Glaube ich.

Und - ist das nicht ein ÜBERWICHTIGES Zeichen der Regierung, für ihre Haltung zu Geschichte, UND VOR ALLEM

Hilft es der Geschichtsaufarbeitung? Ja? Nein? Ist es nicht zu früh?
Aber die Aufarbeitung ist doch auch mit dem verbunden, dass man ein neues Geschichtsbild, oder ein verändertes Bild entwirft. Für die neue Generation natürlich.

Also der junge Mann aus Donezk, der auf meinem letzten ukrainischen Stammtisch war, der ist noch ziemlich weit von dem entfernt ein neues Geschichtsbild zu haben. Und - was heißt neues? Wer sagt, was richtig ist?

Obwohl ich natürlich für Teliga bin. Wobei nicht für Nazionalisten. Schon wieder diese Kluft.

Nationalismus

Nun ja, Nationalismus. Es ist so schwer zu beschreiben, obwohl mir ganz klar ist, warum ich damit ein Problem habe.

Als Ukrainerin habe ich warscheinlich ein wenig anderen Blickwinkel auf solche "nazionalistische Leute". Ich will damit nicht sagen, das ich Mord oder ihre Sprüche über die "weiße Rasse" und die Ukraine für die Ukrainer gerechtfertige, nein, auf keinen Fall. Aber was soll man bitteschön mit der Tatsache machen, dass unsere Helden, die wir haben (ok, die ein Teil der Gesellschaft als Helden bezeichnet) nazionalisten waren, und ehrlich um die ukrainische Sache gekämpft haben? Zeitungen herausgegeben, Bücher, anderes unterstützt, usw. Und wie bitteschön ist es zu verstehen, dass in der heutigen Ukraine sind es meistens Nazionalisten, verdammt, die mit guten Sachen kommen? Ja, auch mit schlechten. Aber wir soll man es trennen? Dass sie für einen Ukrainer stehen, der irgendwo in Nowosibirsk von Rußen dafür angeklagt war, dass er Rußen "Moskali" genannt hat. Oder dass sie die ukrainische Kultur, vor allem Sprache - unterstzützen? Genau so - was soll man mit "Cholodnyj Jar" machen, einer "Republik", die in der Zentralukraine sich ziemlich organisiert gegebn Sowjeten in 1920er gewehrt hat?

Vielleicht sollte man die einfach trennen? Auf rechtsradikale und nicht radikale? Vielleicht sind die Nazionalisten nicht schlecht. Wenn sie nur Patrioten sind. Aber warum bezeichnen sie sich Nazionalisten?

Dyki Kwity

Dyki kwity - das sind die Gedanken. Und Menschen. Frauen. Männer. Kinder, ja Kinder...aber der Blog wird nicht nur über Lebendiges sein. Sondern über alles. Verschiedenes. Ich muss bloß endlich mal auch Platz für das Ganze haben. Sonst passt es nicht mehr in den glühenden Kopf. Und damit ich es nicht mehr vertanzen musste, werde ich ab jetzt manches aufschreiben. Obwohl, tanzen werde trotzdem. Das hilft.